Im Februar, wenn das neue Schuljahr beginnt, stehen das Team in Uganda sowie die Kinder und Jugendlichen gleichermaßen Kopf. Die Rückkehr in die Schulen – insbesondere in die Internate – erfordert ganz besondere Vorbereitungen.

Wie bei einem kleinen „Auszug aus Ägypten“ sieht es jedes Jahr zum Schulbeginn aus. Unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor Ort schwirren die Köpfe, wenn sie die langen Anforderungslisten für mehr als 60 Kinder abarbeiten müssen.

Großeinkauf zum Ferienende

Uganda erwarten die Schulen nicht nur, dass alle SchülerInnen gängiges Schulmaterial wie Hefte, Bücher und Stifte mitbringen. Auch Dinge des täglichen Bedarfs wie Toilettenpapier oder Besen stehen auf den Listen. Zudem hat jede Schule ihre ganz eigenen, sehr spezifischen Anforderungen, die selbstverständlich zu 100 % erfüllt werden müssen. Entsprechend wird von unserem Team eingekauft, geschleppt, gepackt und gewissenhaft abgehakt.

Ohne unser Vereinsauto und die verlässlichen FahrerInnen wäre dieser Großeinkauf kaum zu bewältigen – ebenso wenig wie der Transport der Kinder und Jugendlichen samt ihres kunterbunten Gepäcks zurück in die Schulen. Einige Internate verlangen sogar, dass die Kinder in den großen Ferien alle persönlichen Dinge mit nach Hause nehmen, inklusive ihrer Matratzen.

Streng, strenger, Schulanfang

Zum Schulbeginn gleicht das Gelände vieler Internate einem Volksfest. Überall stehen Faltzelte, die als provisorische Büros dienen. Vor jedem Zelt bilden sich lange Schlangen, denn die Kinder und Jugendlichen dürfen ihre Schlafsäle nicht einfach beziehen. Zunächst müssen sie einen komplexen bürokratischen Kontrollprozess durchlaufen – einen, der selbst den deutschen Amtsschimmel kopfschüttelnd wiehern ließe.

Ausgefüllte Rückkehrformulare werden geprüft und gegengezeichnet. Anschließend müssen die Materialien für die allgemeine Schulpflege (z. B. Besen, Eimer oder Schrubber) an den vorgesehenen Stellen abgegeben werden. Danach folgt die Kontrolle der persönlichen Ausstattung: vom Bleistift über Seife bis hin zum Waschmittel für die regelmäßige Handwäsche der Schulkleidung.

Besonders streng ist die anschließende Überprüfung der Schuluniform und der Frisuren. Kinder und Jugendliche erhalten keine Erlaubnis, ihren Schlafsaal zu beziehen, wenn die Haare nicht vorschriftsmäßig rasiert sind, ein Rock ein paar Zentimeter zu kurz ist oder eine Sporthose zu Hause vergessen wurde. Die Hektik, die ausbricht, um den Fehler schnell zu beheben, ist groß – und manchmal fließen auch Tränen.

Nach dem Schulanfang ist vor dem Schulanfang

Doch selbst die stressigsten Tage gehen irgendwann zu Ende. Sind alle Probleme gelöst und alle Tränen getrocknet, leeren sich die Schulhöfe. Die von uns unterstützten Kinder und Jugendlichen ziehen meist fröhlich lachend und schwatzend gemeinsam mit ihren MitschülerInnen in die Schlafsäle ein.

 

Unsere MitarbeiterInnen treten schließlich die Heimfahrt an und können in den nächsten Tagen erst einmal durchatmen – wohl wissend, dass sich dieser intensive Ablauf vor dem zweiten und dritten Term wiederholen wird. Was jedoch bei jeder Schulrückkehr aufs Neue motiviert, ist die Gewissheit, dass jeder gekaufte Stift, jedes Stück Seife und jeder Besen ein kleiner, aber wichtiger Beitrag auf dem Weg in eine selbstbestimmte Zukunft dieser jungen Menschen ist.