Gewalt in der Erziehung ist in Uganda leider noch immer weit verbreitet und gesellschaftlich akzeptiert. Seit vielen Jahren setzen wir uns deshalb für eine gewaltfreie Erziehung an jenen Schulen ein, die von unserem Verein unterstützte Kinder besuchen. Gemeinsam mit einer benachbarten Grundschule konnten nun erstmals systematische Trainings zur Gewaltprävention durchgeführt werden.

Viele der von uns unterstützten Kinder besuchen eine private Primary School (1-7 Klasse) in einem Ortsteil von Jinga – entweder als Tages- oder als Internatsschüler. Durch die Finanzierung dieser großen Schülergruppe haben wir einen gewissen Einfluss auf die Schulleitung. Von Beginn an haben wir klar kommuniziert, dass wir Gewalt gegen Kinder nicht akzeptieren. Dennoch kommt es gelegentlich zu Prügelstrafen und Demütigungen, da solche Erziehungsmethoden an vielen Schulen und auch in Familien noch immer als normal gelten.

Eine Schule stellt sich einem heiklen Problem

An der Schule wurde bereits zuvor versucht, durch gelegentliche Trainings gewalttätiges Verhalten einzudämmen. Dennoch kam es immer wieder zu Vorfällen – so etwa im vergangenen Jahr durch einen extrem gewalttätigen Lehrer. Da auch Kinder aus unserer Gruppe betroffen waren, haben wir uns seitens des Vereins mehrfach eingeschaltet. Die sehr engagierte Sozialarbeiterin der Schule stand zum Glück auf unserer Seite und forderte von der Schulleitung intensivere und nachhaltigere Trainings, die schließlich auch genehmigt wurden.

Manchmal fügen sich plötzlich alle Puzzleteile zusammen: Im Rahmen seines Psychologiestudiums war bereits 2012 war ein deutscher Praktikant an genau dieser Schule tätig. Inzwischen ist er promovierter Wissenschaftler mit dem Schwerpunkt „Klinische Psychologie und Gewaltforschung“ und war an der Entwicklung eines Konzepts zur Gewaltprävention für Lehrkräfte beteiligt. Das Konzept trägt den Titel Interaction Competencies with Children – for Teachers (ICC-T) und basiert auf Studien aus Ghana, Tansania und Uganda. Aufgrund der früheren Verbindung zur lokalem Schule war die Kontaktaufnahme unkompliziert, und das für alle Lehrkräfte verpflichtende Trainingsprogramm konnte rasch organisiert werden.

Gewaltprävention – Professionelle Trainings für Lehrkräfte und das eigene Team

Seitens unseres Vereins haben wir das Training für das Lehrerkollegium sehr begrüßt, gleichzeitig aber auch an unser eigenes Team gedacht. Zwar achten wir in unserer täglichen Arbeit konsequent auf einen gewaltfreien Umgang mit Kindern und Jugendlichen, dennoch ist uns bewusst, dass viele unserer MitarbeiterInnen selbst mit ganz anderen Erziehungsmethoden aufgewachsen sind. Zudem ist das Bewusstsein für psychische Gewalt – wie Beschimpfungen oder Erniedrigungen – in Uganda noch wenig ausgeprägt. Eine professionelle Schulung unseres Teams durch erfahrene und unabhängige Fachkräfte war uns daher ein großes Anliegen.

Das fünftägige Training der ICC-T-Initiative umfasst eine detaillierte Erfassung der Ist-Situation, bietet Raum für den Austausch über persönliche Erfahrungen und Emotionen und stellt konkrete Methoden zur Reduktion körperlicher und emotionaler Gewalt in der Erziehung vor – auch im Umgang mit besonders herausfordernden Kindern. Gemeinsam mit dem Lehrerkollegium nahmen die MitarbeiterInnen unseres Vereins sowie unseres Partnerkindergartens Birungian diesem vielfältigen Training und intensiven Erfahrungsaustausch teil. Ein großer Schritt hin zu mehr Professionalität – und zugleich eine wertvolle persönliche Weiterentwicklung für alle Beteiligten.

Gewalt gegen Kinder und Jugendliche gehört zu den schmerzhaften Erfahrungen, die wir immer wieder verarbeiten müssen. Umso mehr bedeutet uns diese gemeinsame Initiative mit der lokalen Grundschule. Einen ersten wichtigen Erfolg hat der kontinuierliche Einsatz gegen Gewalt bereits gezeigt: Der gewalttätige Lehrer wurde entlassen. Dennoch werden wir das Thema weiterhin aufmerksam begleiten – nicht zuletzt, weil unsere MitarbeiterInnen dank des Trainings nun deutlich besser erkennen können, ob ein Kind schulischer oder häuslicher Gewalt ausgesetzt ist.

Anti-Gewalt-Seminar

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